Tastkästchen

24 Mai 2019
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von Tatjana Wanner
(c) tw 2019

 

Als Kultur.Forscher! aktiv

Hospitation an der Robert Schumann Europaschule

Es ist kurz vor 8 Uhr, gleich geht der Schulgong. Angelika Schulz empfängt mich in der Eingangshalle der Robert Schumann Europaschule in Willich. Heute ist mein erster offizieller Hospitationstag an einer Kultur.Forscher-Schule. Mich erwarten sechs Stunden Kunstunterricht.

Von 2011 bis 2016 war die Willicher Gesamtschule in der Kantstraße 2 Modellschule des Programms „Kultur.Forscher!“, entwickelt von der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) und der PwC-Stiftung Jugend – Bildung – Kultur. Sie gehörte nicht zu den ersten Schulen, denn das Programm startete bereits 2008. Für alle die es (noch) nicht wissen: Das Kultur.Forscher!-Programm ermöglichte Schüler!innen bis 2016, sich zusammen mit externen Kulturpartnern aktiv mit kulturellen Aspekten ihrer Lebenswelt auseinanderzusetzen. Ich mache es mir ausnahmsweise leicht, indem ich von der Website zitiere: Kultur.Forscher! „stellen eigene Fragen und suchen selbstständig mithilfe vieler Methoden nach Antworten: Sie recherchieren, beobachten, befragen, sammeln, arrangieren, filmen, malen oder beschreiben. Dabei holen sie sich Anregungen von Künstlern, Historikern, Soziologen, dem Bürgermeister oder anderen Experten.“ (Quelle: http://www.kultur-forscher.de/programm.html, Zugriff am 8.08.2019).

Auf den Spuren des Tastsinns

Angelika Schulz, Kunstlehrerin an der Robert Schumann Europaschule, führt den Kultur.Forscher!-Ansatz weiter. Ich nehme an ihrem Unterricht teil und werde Zeugin, wie sich ausgewählte Schüler!innen aus den Klassen 9A bis 9E mit den Sinnen, speziell mit dem Tastsinn, beschäftigen. In den Stunden davor haben sie insgesamt 270 Worte fürs Tasten zusammengetragen und planen jetzt, dazu ein Plakat zu erstellen. Sie zeichneten ihre Hände ab und notierten sich in ihr Skizzenbuch, was man gut und was man nicht gut anfassen kann. Während einer Expedition draußen auf dem Schulhof konnten sie live nachfühlen, wie sich Blätter, Blumen oder Steine anfühlen. Daraus entstanden ist eine Vielzahl unterschiedlicher Tastkästchen aus Papier. In meiner Hospitationsstunde erkunde ich gemeinsam mit den Schüler!innen das Schulgebäude, um einen geeigneten Ort für die Ausstellung der Tastobjekte zu finden.

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Die zweite Kultur.Forscher!-Gruppe, die ich in der Doppelstunde danach miterleben darf, war beim langjährigen außerschulischen Kulturpartner, dem Museum Kunstpalast Düsseldorf, und hat sich dort mit dem Thema Sammeln und Sammler, Wunderkammern und Kunstkabinette beschäftigt. Sie erfahren, wie man gesammelte Kunstobjekte hängt, inszeniert, beleuchtet. In der Stunde beginnen sie, eine Wunderkammer für ihre persönlichen Sammelstücke zu bauen.

Klassisch anders

Die sechs Kunstunterrichtsstunden verdeutlichen mir Einiges über den Ansatz des Ästhetischen Forschens. Gleichzeitig lerne ich „klassischen“ Kunstunterricht in der 9. Klasse kennen, bei dem es um den Einstieg in die Methode der Bildanalyse ging. Besonders eindrucksvoll: Angelika Schulz ermöglicht den Schüler!nnen mit Hilfe eines Gegenstands einen emotionalen Zugang zu Caspar David Friedrichs „Mondaufgang“. Sie erzählen rund um ihren Gegenstand Geschichten – und plötzlich werden die Themen der Romantik wie Trauer, Abschied, Hoffnung lebendig.

 

MEIN FAZIT: Das Hospitieren im Unterricht ermöglicht mir einen neuen Blick auf die Methode des Ästhetischen Forschens – ich taste mich voran ...

 

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